Im Land der flirrenden Hitze

In den Superstition Mountains gibt es auf einem glühend heißen Pfad fernab der Hauptwander- und Reitwege einen Punkt, an dem kleine cairns, im Englischen so genannte Steinmännchen den Weg markieren. Trotzdem ist unklar, wo der Weg weitergeht. Man könnte den cairns folgen. Aber sie weisen in eine steile Rinne hinab und erfordern einen zwei Meter tiefen Sprung auf einen Felsvorsprung. Weiter kann man nicht sehen. Man könnte auch einen sehr viel einladender aussehenden Weg nehmen, der in einer Art logischer Streckenführung um den Canyon herumführt – oder ist das nur ein Wildtierpfad? Bequemer Weg versus uneinsehbares Gefälle: Kann der Weg in den Abgrund der Richtige sein? Was ist, wenn es an diesem Felsvorsprung nicht weitergeht und man nicht mehr zurück kommt?

 

Wenn Sie das Buch „Desert Solitaire“ von Edward Abbey kennen, haben Sie eine Vorstellung davon, was alles passieren kann: der lockere Sprung vom Felsen, die plötzliche Erkenntnis, dass es vorwärts nicht weitergeht, da vor einem ein noch steilerer Abhang liegt, die aufkommende Panik, wenn man realisiert, dass man auf den Felsen, von dem man vorhin leichtfertig abgesprungen ist, nicht wieder zurückklettern kann. Die Schatten werden kürzer, die glühende Sonne wandert unerbittlich über den Himmel. Die Temperatur steigt, und Sie bemerken, dass Ihre Lebenszeit jetzt in Wassertropfen gezählt wird. In der begrenzten Anzahl Wassertropfen, die noch in Ihrer Flasche sind. Edward Abbey war es gelungen, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, indem er sich an ein bisschen Vegetation klammerte, die wunderbarerweise sein Gewicht hielt. Hätten Sie auch so viel Glück?

 

Hitze, Sonne und die quälende Sorge um Wasser sind die ständigen Begleiter auf dem Arizona Trail, einer Wanderroute von krasser Schönheit durch eine wilde, gnadenlose Natur, in der nur Wasser und Hitze zählen.

 

Arizona Trail

 

Es ist ein bemerkenswert abwechslungsreicher Weg, mit kakteenbestandenen Hügeln im Süden, Manzanitasträuchern, Pinienwäldern, den Sky-Island-Bergen, Ufergebieten mit vielen Vögeln, berühmten Felsformationen bei Sedona und endlos weiten Blicken in alle Richtungen. Der Trail führt durch Ökosysteme, die zu den vielfältigsten des National Trail System gehören. Tageswanderer erreichen die Ebenen Mexikos oder die Gipfel von Colorado in ein paar Kilometern von einem der Parkplätze am Trail aus. Fernwanderer dagegen können den Bundesstaat Arizona durchwandern, dessen Vielfalt fast der eines ganzen Kontinents entspricht.

 

Arizona Trail, eine Erfolgsstory

Der Arizona Trail gehört zu den jüngeren Fernwanderwegen der USA. Wie fast alle anderen Fernwanderwege auch, geht er auf einen Fürsprecher zurück – den wanderbegeisterten Geschichtslehrer Dale Shewalter aus Flagstaff, der sich bereits in den 1970er-Jahren einen Weg von Grenze zu Grenze vorstellte. Er begann seine Idee unter Wanderführern und bei den zuständigen Behörden bekannt zu machen. Die Umsetzung begann Ende der 1980er-Jahre, seit 2009 gehört der Trail zum National Scenic Trail System. Zwischen 1994 und 1996 soll es eine kritische Zeit der Umsetzung gegeben haben. Der Erfolg geht auf eine lange Liste von privaten und öffentlichen Spendern und freiwilligen Helfern zurück.

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